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Mit Cat und Sniffle durch die Nacht

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Mit Cat und Sniffle durch die Nacht

Direkt von Bord – ein Expeditionsblog des Forschungskutters SENCKENBERG

Mit Cat und Sniffle durch die Nacht

Der erste Expeditionsblog-Beitrag der Forschungsfahrt SE 1703 (8/2017)

Ende März fanden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Himmelsrichtungen Europas und sogar aus Costa Rica am Wilhelmshavener Standort des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg zu einem bisher einzigartigen Experiment zusammen: Bis Mitte April werden sie auf dem Jadebusen über ihre Fächergrenzen hinweg die hauchdünne Oberflächenschicht der Meeresbucht untersuchen.

Die Schicht, die als Oberflächenfilm bezeichnet wird und höchstens ein Zehntelmillimeter dick ist, beeinflusst den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean. Was man wissen will: Wie wirkt sich das auf das Klima aus? Und: Gibt es dabei Unterschiede zwischen Tag und Nacht? Dr. Mariana Ribas Ribas, eine spanische Kollegin aus der Arbeitsgruppe Meeresoberflächen am ICBM, sagt dazu: „Es ist das erste Mal, dass wir Oberflächenfilme auch nachts untersuchen, dazu international und fachübergreifend. Das wird eine Herausforderung.“ Dabei bezieht sie sich vor allem auf das Hantieren in Dunkelheit mit komplexem Gerät an einem für die meisten unbekannten Ort. Besonders ist das Projekt auch, weil es unkonventionell zustande kam: Die Forscherinnen und Forscher entwickelten am Rande einer Fachtagung die Idee zum Projekt mit dem Kürzel MILAN (sea-surface microlayer functioning during the night). „Normalerweise wirbt man Geld ein und führt dann ein Projekt durch. Hier lief es genau anders herum“, so Ribas Ribas.

Zusammen mit Dr. Christian Stolle, der sowohl am ICBM als auch am Institut für Ostseeforschung (IOW) in Warnemünde arbeitet, ist Ribas Ribas die treibende Kraft hinter dem Projekt. Auf Initiative der beiden Jungforscher wurde ihnen Schiffszeit auf dem Forschungskutter SENCKENBERG des Wilhelmshavener Senckenberg Instituts zugeteilt. Zweckgebundene Mittel der Universität erlauben zusätzlich den Einsatz des ICBM-Forschungsboots OTZUM und steuern ein wenig zur Unterkunft für die internationalen Wissenschaftler bei. Ansonsten aber reisen alle Teilnehmenden auf Rechnung ihrer Heimatinstitute. „Wir wollen MILAN zu einem europäischen Projekt ausbauen“, wagt Ribas Ribas einen Ausblick. Von deutscher Seite sind neben Dr. Stolle und Dr. Oliver Wurl, dem Leiter der AG Meeresoberflächen, weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Oldenburg, des GEOMAR in Kiel, des Leibniz-Zentrums für MarineTropenforschung (ZMT) in Bremen und des Leibniz-Instituts für Troposhärenforschung (TROPOS) in Leipzig dabei.

Untersuchungen haben ergeben, dass der größte Teil der Ozeane von dünnen natürlichen Häutchen, sogenannten Oberflächenfilmen, bedeckt ist. Angereichert mit Verbindungen biologischen Ursprungs bilden sie eine Grenzschicht vom Meer zur Luft. Gase können diese „Sperre“ nicht ohne weiteres passieren – weder von der Atmosphäre ins Meer noch umgekehrt. Oft finden Mikroorganismen ideale Lebensbedingungen in dieser Schicht. Sie können den Austausch zusätzlich aktiv beeinflussen. Die Forscher vermuten, dass sich der Film bei Dunkelheit, also bei Abwesenheit von Sonnenlicht, anders verhält als tagsüber.

Bei den Untersuchungen auf See setzt die AG Meeresoberflächen von Bord der SENCKENBERG ihren ferngesteuerten Forschungskatamaran „Cat“ sowie die sensorbestückte Driftboje „Sniffle“ ein. Eine wichtige Aufgabe des „Cat“ ist es, größere Mengen des Oberflächenfilms für Laboruntersuchungen einzusammeln. „Sniffle“ misst direkt vor Ort den Gasaustausch an der Meeresoberfläche.

Am 3. April startete die erste Ausfahrt mit dem Forschungskutter SENCKENBERG. Michaela Haack, Master Studentin am Oldenburger ICBM, war dabei: „Für mich war es der erste Tag auf einem Forschungsschiff und es war eine tolle Erfahrung!“