Wo sich Mikroalgen sonnen und Kohlenstoffdioxid verschwindet

Wo sich Mikroalgen sonnen und Kohlenstoffdioxid verschwindet

Direkt von Bord – ein Expeditionsblog des Forschungsschiffs HEINCKE

Wo sich Mikroalgen sonnen und Kohlenstoffdioxid verschwindet

Oldenburger und Geesthachter Forscherinnen und Forscher untersuchen Planktonverteilung und Gasaustausch.

Angesichts des Klimawandels wird es immer wichtiger zu verstehen, wie das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid, kurz CO2, in die Ozeane gelangt. Bedeutenden Anteil daran haben oberflächennah lebende Mikroorganismen, vor allem Mikroalgen. Das sogenannte Phytoplankton nimmt CO2 unter Sonnenlicht auf und setzt es in Biomasse um. Darüber, wie es sich an der Meeresoberfläche verteilt und was diese Verteilung beeinflusst, weiß man bislang zu wenig. Das wollen elf Oldenburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffs Heincke jetzt ändern. Unterstützt werden sie dabei von einem Kollegen des Helmholtz-Zentrums in Geesthacht (HZG).

Die Forschungsfahrt startet am 8. Juli in Bremerhaven und führt durch Nordsee und Nordatlantik in den Sogne– und den Trondheimfjord. Im norwegischen Trondheim endet sie am 27. Juli. Fahrtleiter sind Dr. Oliver Wurl, Leiter einer ERC (European Research Council) Grant geförderten Arbeitsgruppe am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg sowie Dr. Maren Striebel und Prof. Dr. Oliver Zielinski am selben Institut. „In den Fjorden wird besonders viel CO2 in Biomasse umgesetzt“, sagt Oliver Wurl. Zur Mündung der schmalen Meeresarme hin nehme der Einbau von CO2 indes ab. „Die Untersuchungen in Nordsee und Nordatlantik dienen uns als wichtige Vergleichsmessungen“, ergänzt der Wissenschaftler.

Ging man früher davon aus, dass Wind und Wellenschlag Plankton in der Oberfläche gleichmäßig verteilen, weiß man seit geraumer Zeit, dass es in räumlich begrenzten Teppichen und in der Tiefe gestaffelten Schichten auftreten kann. Die oberflächennah bislang weitgehend unbekannte kleinskalige Verteilung untersuchen die Oldenburger Forscher jetzt mit modernstem Gerät: Ein Forschungskatamaran und eine neue rohrartige Konstruktion mit verteilten Pumpöffnungen ergänzen sich bei der Probennahme. So gewinnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in acht Tiefenstufen bis hin zu zwei Metern Tiefe Wasserproben und ermitteln den jeweiligen Phytoplanktongehalt.

Parallel wird ein spezielles Messgerät eingesetzt, das erkennt, bis in welche Tiefen und Wasserschichten das lebensspendende Sonnenlicht vordringt, das die Mikroalgen zur Umwandlung des Kohlenstoffdioxids in Biomasse nutzen. So erfahren die Forscherinnen und Forscher buchstäblich, wo sich die Mikroalgen sonnen. Zusätzlich „erschnüffelt“ eine mit moderner Technik gespickte Driftboje, von den Oldenburgern „Sniffle“ getauft, an der Wasseroberfläche Aufnahme und Freisetzung von CO2. „Wir wollen so die Dichte- und Artenverteilung des Phytoplanktons nahe der Meeresoberfläche erfassen und besser verstehen, wie es sich unter dem Einfluss von Licht oberflächennah verteilt. Uns interessiert, wie die Planktongemeinschaften die CO2-Flüsse zwischen Ozean und Atmosphäre beeinflussen“, fasst Wurl die Expeditionsziele zusammen.


Weitere Informationen:

Über die Ereignisse auf ihrer Forschungsfahrt informieren die Wissenschaftler in einem Blog oder auf der Webseite.