Einsatz für nachhaltigen Fischfang

Einsatz für nachhaltigen Fischfang

WWF-Botschafterin Barbara Meier im Interview

„Die Menge der Geisternetze am Meeresboden ist erschreckend.“

Sie ist Schauspielerin und Fotomodel und hat ein gutes Gespür für den Umweltschutz. Barbara Meier setzt sich als WWF-Botschafterin gegen Geisternetze in Meeren und Ozeanen ein. Im Interview verrät sie, wie sie zur Umweltschützerin wurde und wie gefährlich die Netze für Tiere, Pflanzen und Menschen sind.

Warum engagieren Sie sich speziell beim Thema Meeresschutz?
Für mich waren die Meere schon immer etwas Faszinierendes. Schon als Kind war ich begeistert von Walen, Delphinen und dem Meer. Als Erwachsene hat sich dieses Gefühl mit dem vielen Reisen noch verstärkt. Ich finde das Meer unglaublich beruhigend und vor allem spannend: Auf der Oberfläche sieht es so ruhig aus, aber zigtausend Meter tiefer liegt noch eine ganz andere Welt verborgen. Der WWF hat mir dann von den Geisternetzen erzählt. Dieses Thema hat mich sofort interessiert. Ich war mir der Problematik bis dahin gar nicht bewusst und hatte keine Vorstellung davon, wie weitreichend die Konsequenzen wirklich sind.

Welche Auswirkungen haben die Geisternetze für Meer und Umwelt?
Man schätzt, dass pro Jahr zehn Millionen Tonnen Plastik im Meer landen – eine unvorstellbar große Zahl. Schätzungsweise zehn Prozent davon bestehen aus Geisternetzen, das wären dann eine Million Tonnen. Es ist ein weltweites Problem – auch vor unseren Heimatküsten wie der Ostsee. Viele Tiere verfangen sich in den Netzen und sterben. Darüber hinaus bauen sich die Netze nur sehr langsam ab. Es dauert ca. 400 Jahre, bis sich Plastik aufgelöst hat. Dadurch entstehen große Mengen Mikroplastik. Nach heutigem Wissenstand bekommt man diese mikrokleinen Plastikteile nicht wieder aus dem Meer heraus. Das heißt, dass sie in die Nahrungskette übergehen, zum Beispiel über Wasser oder den Fisch.

Sie waren bereits bei einer WWF-Bergungsfahrt und einem Tauchgang dabei. Was war das für ein Gefühl, die Aktion hautnah mitzuerleben?
Für mich persönlich war das sehr wichtig, da ich mir gerne selbst ein Bild von den Dingen mache. Es war unglaublich spannend. Zwei Taucher waren bei mir und wir sind 15 Meter tief getaucht. Es war wirklich erschreckend zu sehen, wie groß die Menge der am Meeresboden liegenden Netze wirklich ist. Darin verfängt sich zusätzlich auch weiterer Müll, wie Plastikflaschen und Metallstangen. Zum Schluss durfte ich ein kleines Stück Netz bergen und damit auftauchen – das hat mich stolz gemacht, auch wenn es nur ein kleiner Schritt war.

Was wünschen Sie sich für das Projekt in drei bis fünf Jahren?
Natürlich wünsche ich mir, dass zumindest in der Ostsee keine Netze mehr liegen. Das ist in drei bis fünf Jahren aber unrealistisch. Mein Wunsch ist daher, dass die Menschen ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir nicht alles im Meer abladen können, was wir nicht mehr brauchen.

Was können Fischer tun, um den Verlust von Netzen zu verhindern?
Für kleine, traditionelle Fischer sind die Netze oft das Hab und Gut. Sie sind sehr teuer und daher würde man sie nicht einfach ins Meer fallen lassen. Ich denke, je größer und professioneller der Fischfang wird, desto größer wird das Problem. Wenn beispielsweise ausrangierte Netze über Bord geworfen werden, um die Entsorgungsgebühren an Land einzusparen, weil die Entsorgung von Netzen nicht in allen europäischen Ländern in den Hafengebühren enthalten ist. Es gibt verschiedene Ansätze, zum Beispiel die Kennzeichnung der Netze, um diese zurückverfolgen zu können. Hier werden jedoch noch stärkere Kontrollmechanismen benötigt, denn momentan kann man es nicht überwachen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ruft zusammen mit EDEKA und dem WWF innerhalb des Wissenschaftsjahrs Meere und Ozeane zum Rezeptwettbewerb auf und sucht „Das beste Fischrezept mit nachhaltigem Fisch". Essen Sie gerne und regelmäßig Fisch? Achten Sie dabei auch darauf, welchen Fisch man essen sollte?
Ich esse sehr gerne Fisch. Am liebsten Lachs und Forelle. Ich achte darauf, dass der Fisch, den ich esse, auch vom WWF-Einkaufsratgeber empfohlen ist. Auf Fisch, der rot gekennzeichnet ist, versuche ich vollständig zu verzichten und auch gelb gekennzeichneten Fisch vermeide ich, wo ich kann.

Wieso ist aus Ihrer Sicht der nachhaltige Umgang mit Fisch so wichtig?
Viele Menschen denken nicht darüber nach, dass das Meer nicht unerschöpflich ist. Wir glauben oft, wir können nach Belieben nachfischen und der Fisch wird sich weiter vermehren. Aber wir sind jetzt schon an einem Punkt, an dem es unseren Meeren nicht mehr gut geht. Es enthält Millionen Tonnen Plastik und auch der Säurehaushalt verändert sich. Wir alle wissen nicht, was dies in der Zukunft für Auswirkungen für unseren Planeten haben kann. Fische sind ein Teil unserer Meere und es ist wichtig, dass man sie nachhaltig fängt. Denn jedes Ökosystem lebt von seiner Artenvielfalt. Um diese sicherzustellen, sollten wir reduzierter und ausgewählter Fisch essen.

 

Bitte konsumieren Sie möglichst nur nachhaltig gefischte Bestände von Fisch und Meeresfrüchten. Informieren Sie sich dazu beispielsweise in den einschlägigen Fischratgebern.

 

 


Das Interview mit Barbara Meier ist während ihres WWF-Projektbesuchs an der Ostsee entstanden. Als WWF-Botschafterin setzt sich Barbara Meier für die Bergung von Geisternetzen und eine nachhaltige Fischerei ein. Im Mai nimmt sie in dieser Funktion zusammen mit Dr. Gerd Kraus und Kevin von Holt an einer Jurysitzung teil, die die besten Rezepte zu nachhaltigem Fischkonsum auswählt. Mehr Informationen zum Rezeptwettbewerb „Klug gefischt“

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