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Häufigere Überschwemmungen an der Ostküste der USA

Häufigere Überschwemmungen an der Ostküste der USA

Dauerhafte Bedrohung für die Ostküste

Teile der Küste versinken langsam und stetig im Meer

„Irma“ gilt als einer der stärksten Hurrikane seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Florida Keys werden auf Wochen unbewohnbar sein, heißt es aus dem Weißen Haus. Überflutungen wird es jedoch in Zukunft an der Ostküste der USA noch häufiger geben.

Das zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn, South Florida und Rhode Island. Dabei wird es wohl Bundesstaaten weiter nördlich treffen. Besonders gefährdet seien Virginia, North Carolina und South Carolina. Eine schleichende Absenkung der Küstengebiete und der Anstieg des Meeresspiegels führten dazu, dass auch normale Fluten immer häufiger Überschwemmungen verursachen.

In Städten wie Miami ereignen sich Überflutungen auch an sonnigen und relativ windstillen Tagen. Sie richten Schäden an Häusern und Straßen an und stören den Verkehr, kosten aber keine Menschenleben. Daher werden sie auch „nuisance floodings“ genannt – lästige Überschwemmungen. Jetzt haben die Forscher mit Hilfe von Satelliten- und GPS-Daten den Boden entlang der Ostküste untersucht. Es zeigte sich: Vor allem entlang der Küsten von Virginia, North Carolina und South Carolina sinkt der Untergrund pro Jahr um bis zu drei Millimeter ab.

„Für dieses Phänomen gibt es im Wesentlichen zwei Gründe“, erklärt Makan A. Karegar von der Universität of South Florida, momentan Gast an der Universität Bonn. „In der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren waren weite Teile Kanadas von einem Eispanzer überzogen. Diese ungeheure Masse presste den Kontinent in die Tiefe.“ Die eisfreien Regionen hätten sich dabei angehoben. „Als dann die Gletscher schmolzen, kehrte sich dieser Prozess um“, erläutert Karegar. „Seit etwa 10.000 Jahren sinkt die Ostküste daher wieder ab.“ Dieser Effekt erklärt das Abtauchen der Küstenregion nur zum Teil. Ursache sei die massive Nutzung von Grundwasser in dem Gebiet. „Wenn Grundwasser entnommen wird, lässt sich die Landmasse stärker komprimieren“, sagt Karegar. „Sie fällt quasi in sich zusammen und sinkt dadurch noch stärker ab.“

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Einige Städte an der US-Ostküste liegen dadurch heute mehr als 45 Zentimeter tiefer als noch bei ihrer Gründung vor rund 300 Jahren. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel: Die Pegel liegen heute rund 15 Zentimeter höher als früher, wie Messungen belegen. Beide Effekte zusammen führen dazu, dass weite Teile der Küstenregion langsam, aber stetig im Meer versinken.

Die Studie, kürzlich in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht, weist darauf hin, dass der Anstieg in Zukunft weiter Fahrt aufnehmen wird. „Selbst wenn die Grundwasser-Entnahmen reduziert werden, wird die Zahl der Überschwemmungen weiter steigen“, prognostiziert Karegar. „Ebenso werden die Geldsummen, die für die Behebung der damit verbundenen Schäden aufgewendet werden müssen, deutlich zunehmen. Man sollte daher eigentlich annehmen, es wäre im ureigensten Interesse der USA, den Klimawandel mit allen Mitteln zu bekämpfen.“

14.09.2017

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