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Tierschwärme: Eigenschaften Einzelner bestimmen das Verhalten der Gruppe

Tierschwärme: Eigenschaften Einzelner bestimmen das Verhalten der Gruppe

Individualität bestimmt Schwarmverhalten

Stichlinge bringen Erkenntnisse über Führungskultur

Fische, Vögel oder Ameisen: Viele Tiere finden sich in Gruppen zusammen, weil ihnen dies bessere Überlebenschancen bietet. Solche Tierschwärme zeigen komplexes Verhalten, ohne dass die einzelnen Mitglieder besonders intelligent sein müssen.

Und doch hängt das Gruppenverhalten eng mit der Persönlichkeit einzelner Schwarmtiere zusammen, wie ein deutsch-englisches Forscherteam jetzt am Beispiel von Stichlingen nachgewiesen hat: Individuelle Charakterzüge einzelner Tiere beeinflussen unter anderem den Zusammenhalt, die Führungskultur, Bewegungsdynamik und Gruppenleistung der Schwärme.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmten mit Hilfe zwei verschiedener Persönlichkeitstests die individuellen Verhaltensneigungen von 125 Stichlingen und fassten die Tiere anschließend nach dem Zufallsprinzip in 25 Gruppen zusammen. Diese Gruppen wurden wiederholt in drei verschiedenen Situationen getestet, zum Beispiel bei der Erkundung oder bei der Nahrungssuche. „Wir fanden heraus, dass diejenigen Fische, die mehr Zeit in der Nähe ihrer Artgenossen verbrachten, weniger schnell waren, sich eher im Zentrum der Gruppe aufhielten und dazu neigten, anderen Fischen des frei schwimmenden Schwarms zu folgen“, sagt Jolle W. Jolles. Er arbeitet in einem Team der Universität Konstanz und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und ist Erstautor der im Fachblatt „Current Biology“ veröffentlichten Studie. „Gruppen, die hauptsächlich aus solchen Individuen bestanden, wiesen einen deutlich höheren Zusammenhalt auf, bewegten sich aber weniger und waren unkoordinierter als solche Gruppen, deren Mitglieder hingegen zu weniger sozialem Zusammenhalt und schnellerer Fortbewegung neigten.“

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Mitautorin Andrea Manica von der Universität Cambridge fügt hinzu: „Indem wir die Schwärme in verschiedenen Umgebungen mit verborgenen kleinen Futterreservoirs testeten, fanden wir zudem heraus, dass es eine Kombination aus Erkundungsdrang und Schnelligkeit innerhalb der Gruppe ist, die entscheidend für ihre Leistung bei der Nahrungssuche ist – und zwar sowohl bei Individuen als auch bei Gruppen.“

Die Ergebnisse der Arbeit können nicht nur dabei helfen, auch das menschliche Gesellschafts- und Teamverhalten besser zu verstehen. Sie sind darüber hinaus auch relevant für den Naturschutz und die Fischerei und könnten potenziell zur Entwicklung von biologisch inspirierten Roboterschwärmen beitragen. Die Studie liefere „eine einfache, in sich stimmige Erklärung dafür, wie individuelle Unterschiede den Variantenreichtum sowohl innerhalb wie auch zwischen Gruppen bestimmen können und wie Gruppenstruktur, Führungskultur, Bewegungsdynamik und die Leistung bei der Futtersuche zustande kommen", betont Jolles.

26.09.2017

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