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Die Zukunft des Arktischen Meereises

Die Zukunft des Arktischen Meereises

Ein Expertenbeitrag von Assist. Prof. Alexandra Jahn

Die Zukunft des Arktischen Meereises

Ein Expertenbeitrag von Assist. Prof. Alexandra Jahn, University of Colorado Boulder

Anhand des arktischen Meereises zeigt sich bereits der Einfluss des Klimawandels durch erhöhte Treibhausgasausstöße. Das liegt daran, dass die Temperaturen in der Arktis sehr viel stärker angestiegen sind als im globalen Mittel oder in den gemäßigten Klimazonen wie in Deutschland. Das wiederum liegt daran, dass das Reflexionsvermögen von Meereis und dem darunter liegenden Ozean sehr unterschiedlich ist. Meereis ist hell und reflektiert daher sehr viel von der ankommenden Sonnenstrahlung. Der Ozean ist im Vergleich recht dunkel und nimmt einen Großteil der Sonnenstrahlung auf. Wenn also die Meereisbedeckung abnimmt und von dunklem Ozean ersetzt wird, führt das dazu, dass in der Arktis viel mehr Sonnenlicht aufgenommen wird. Da nun im polaren Sommer die Sonne bis zu 24 Stunden am Tag scheint, kann dies eine große Wärmemenge sein. Das führt zum weiteren Schmelzen von Meereis und schließlich zur Aufnahme von mehr Sonnenlicht - eine positive Rückkopplung.

Wie schnell und wie stark das arktische Meereis zurückgehen wird, kommt auf unsere zukünftigen Treibhausgasausstöße an. Mit Klimamodellen können wir verschiedene Zukunftsszenarien durchspielen. So lässt sich untersuchen, wie sich das Klima in Abhängigkeit zu den ausgestoßenen Treibhausgasen, in den nächsten Jahrzehnten verändert. Zum Beispiel können wir in den Klimamodellrechnungen sehen, dass geringere Meereisbedeckungen im arktischen Sommer zum Ende des Jahrhunderts unter allen gängigen Treibhausgasszenarien sehr viel wahrscheinlicher werden als heute. Da Klimaprognosen nur die langfristige Entwicklung des Klimas vorhersagen, können wir aber nicht sagen, ob zum Beispiel 2033 oder 2040 ein Jahr mit besonders wenig Meereis sein wird.

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Prof. Dr. Alexandra Jahn leitet die Forschungsgruppe „Polare Klima Modellierung“ an der Universität von Colorado in Boulder, USA. Sie erforscht wie sich der Arktische Ozean und das Meereis verändern wenn sich das Klima ändert, von der letzten Eiszeit bis in die Zukunft. Sie hat Meteorologie in Berlin und Seattle studiert, und promovierte danach an der McGill Universität in Montreal, Kanada, zum Thema Arktischer Ozeanographie.

Für das Meereis in der Arktis sehen wir anhand der neusten Klimarechnungen, dass wahrscheinlich in den meisten Jahren sommerliches Meereis verbleiben wird, wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius limitiert werden kann – auch wenn es im Mittel auf einem niedrigeren Stand sein wird als heute. Wenn die globale Erwärmung aber stärker ausfällt, wird es immer wahrscheinlicher, dass die Arktis im Sommer nicht mehr von Meereis bedeckt ist. Und je wärmer es wird, um so länger ist die Arktis im Sommer ohne Meereis. Das hätte viele Auswirkungen. Ein konkretes Beispiel sind die Eisbären, die das Meereis zum Jagen brauchen. Da die Arktis Teil des globalen Klimasystems ist, wird aber auch das weltweite Klima – und damit ebenfalls das Klima in Europa – von Veränderungen in der Arktis beeinflusst.

Die gute Nachricht ist, dass es noch möglich ist, einen Großteil des sommerlichen Meereises in der Arktis zu erhalten, wenn wir es schaffen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Auch wenn diese Ziel nur langfristig erreicht werden kann und es kurzfristig zu warm für sommerliches Meereis in der Arktis wird, heißt das nicht, dass es nie mehr sommerliches Meereis in der Arktis geben wird. Denn das arktische Meereis hat kein sehr langes „Gedächtnis“, im Gegensatz zu Gletschern. In Klimamodellen sehen wir daher, dass – selbst wenn das Meereis im Sommer vorübergehend ganz verschwindet – es innerhalb eines Jahrzehnts wieder vollständig zurückkommen kann, sollte es langfristig wieder kälter werden.


Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane.

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