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Elbe als verbindendes Fließgewässer

Elbe als verbindendes Fließgewässer

Ein Expertenbeitrag von Susanne Reinhardt

Elbe als verbindendes Fließgewässer

Ein Expertenbeitrag von Susanne Reinhardt, Biosphärenreservat Mittelelbe

Dieser Expertenbeitrag ist im Rahmen der Elbschwimmstaffel des Wissenschaftsjahrs 2016*17 – Meere und Ozeane entstanden. Hier gelangen Sie direkt zur größten Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands.

Intakte Flussauen sind selten geworden in Mitteleuropa. Durch günstige historische Umstände gehört die Elbe hier zu den wenigen weitgehend naturnah erhaltenen Flüssen. Beeinflusst durch den natürlich stattfindenden Wechsel aus Überflutung, sowie Mittel- und Niedrigwasser, entwickelte sich ein großer Artenreichtum an Tieren und Pflanzen. Große zusammenhängende Hartholzauenwälder konnten sich erhalten, die bedeutendsten Vorkommen ihrer Art in Mitteleuropa. Die Aue und ihre natürlich geformten Strukturen (u.a. Altwasser, Wiesengrünland, Auenwälder) sind unersetzlicher Lebensraum für eine Vielzahl an Säugetierarten, für brütende oder durchziehende Wasservögel, für seltene Amphibienarten, eine große Zahl Insektenarten, Stromtalpflanzen, Orchideenarten und viele andere mehr. Rund die Hälfte der sachsen-anhaltischen Natura-2000*-Gebiete befinden sich im Biosphärenreservat Mittelelbe. (*Natura 2000: europäisches Schutzgebietssystem).

Die mittlere Elbe ist das Hauptverbreitungsgebiet des Elbebibers. Um 1900 war der Elbebiber dem Aussterben nahe, fand aber an der mittleren Elbe ein letztes Rückzugsgebiet. Durch die Ausweisung von ersten Naturschutz- und Biberschongebieten wurde der Biberschutz ab den 1920er Jahren gesetzlich verankert. Besondere Schutzmaßnahmen bis in die heutige Zeit erreichten Stabilisierung und Zunahme des Bestandes, rund 1.200 Elbebiber leben wieder im Biosphärenreservat Mittelelbe. Zu den Maßnahmen gehören zum einen das Monitoring, bei dem nicht nur der Bestand ermittelt, sondern auch der Zustand des Lebensraums und mögliche Gefährdungen erfasst werden. Zum anderen finden Wiederansiedlungsprojekte statt und verletzte Tiere werden gepflegt. Außerdem werden Biber und Wildrettungshügel angelegt, die als trockene, ruhige Zufluchtsstätte vor allem bei Hochwasser dienen.

Mehrere aktuelle Naturschutz(groß)projekte haben die Revitalisierung von Auen und ihrer Lebensräume zum Ziel. Dafür werden u. a. Deiche landeinwärts zurückverlegt, Flächen ans Überflutungsgeschehen angebunden, beispielsweise durch den Bau von Flutrinnen, die das Flusswasser ab einem bestimmten Wasserpegel in die Aue transportieren. Wasser läuft in die Auenflächen und wirkt dort Leben spendend für jene typischen Arten, deren Lebensraum die Aue ist.

Am 24. November 1979 erhielt das Naturschutzgebiet „Steckby-Lödderitzer Forst“, ein naturräumlich wertvolles Auenwaldgebiet an der mittleren Elbe (Sachsen-Anhalt), die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat, so auch das Naturschutzgebiet „Vessertal“ im Thüringer Wald. Die Erfolgsgeschichte deutscher Biosphärenreservate begründet sich mit diesem Tag.

Heute sind 16 Biosphärenreservate zwischen Wattenmeer und Berchtesgaden Teil der Nationalen Naturlandschaften Deutschlands. Eine zentrale Rolle für diese Erfolge spielt das in den letzten Jahrzehnten gewachsene Bewusstsein für den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen. Intakte Natur und authentische Kulturlandschaften sind für die Bürgerinnen und Bürger zentraler Teil der Lebensqualität und daher von großer Bedeutung. So verwundert es nicht, dass Biosphärenreservate begehrte Reiseziele für Naturfreunde jeden Alters sind. Kultur, aktive Erholung und die Erkundung von typischen Landschaften können Besucherinnen und Besucher geschickt miteinander verbinden. Der durch das Gebiet führende Elberadweg ist – touristischen Umfragen zufolge – seit Jahren der beliebteste Radwanderweg in Deutschland. Das vor zwei Jahren eröffnete Informationszentrum „Haus der Flüsse“ / Natura-2000-Informationszentrum des Biosphärenreservats Mittelelbe bringt Besuchern die interessante Thematik der Flüsse und Auen näher. Es befindet sich in der Hansestadt Havelberg.

Biosphärenreservate stehen für Naturschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt; sie sind Orte der Bildung, der regionalen Wertschöpfung und Modellregionen für nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur.

 

Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane.

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