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An der nördlichen Grenze giftiger Algen

Tipp

An der nördlichen Grenze giftiger Algen

Direkt von Bord – ein Expeditionsblog des Forschungsschiffs MARIA S. MERIAN

Expedition führt Oldenburger und Bremerhavener Meeresforscher nach Grönland

Der erste Expeditionsblog der Fahrt MSM65 der MARIA S. MERIAN

Schmelzende Gletscher beschleunigen den Süßwasserabfluss ins Meer und verringern den Salzgehalt des Meerwassers. Wenn zusätzlich Temperaturen steigen, finden giftige Algenblüten, die das marine Ökosystem beeinträchtigen können, beste Bedingungen. Die Frage ist aber, wieweit sich diese Algenblüten ausbreiten und ob es dafür im Atlantik eine nördliche Grenze gibt? Dieser Kernfrage geht jetzt die 65. Expedition des Forschungsschiffs Maria S. Merian nach. Vom 25. Juni bis zum 19. Juli erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Oldenburg und Bremerhaven gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Nordamerika und Chile, die Küste und Fjorde auf der Westseite Grönlands. Fahrtleiter ist der Meeresphysiker Prof. Dr. Oliver Zielinski, Direktor des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg.

Die Expedition mit dem Namen „GreenHAB II“ wird in St. John‘s in Kanada starten und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Durchqueren der Baffin Bay von der grönländischen Hauptstadt Nuuk in nördlicher Richtung durch die Fjorde und entlang der westgrönländischen Küste bis hoch zum 75. nördlichen Breitengrad führen. Entlang der Route werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer wieder Proben nehmen, sowohl in den oberen Wasserschichten als auch vom Meeresboden – immer mit dem Ziel, die Entstehung und Verbreitung giftiger Algenblüten und deren toxische Zusammensetzung besser zu verstehen und somit auch den Einfluss des globalen Klimawandels auf die mikrobielle Artenvielfalt. Dabei setzen sie u. a. moderne bio-optische Messverfahren ein, die mittels spektraler Eigenschaften Inhaltsstoffe des Meerwassers und Organismen direkt und hochauflösend erfassen können.

An Bord werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Meeresforschungsinstitute ihre Expertise bündeln. Aus Deutschland zählen dazu das ICBM der Universität Oldenburg, das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz- Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie das Institut für Umweltphysik (IUP) der Universität Bremen. Weitere Expertise kommt aus den USA (Woods Hole Oceanographic Institution), Chile und Kanada. Viele der 22 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord kennen sich bereits von einer früheren Expedition vor Grönland und Island, die im Sommer 2012 unter Leitung von Prof. Dr. Allan Cembella (AWI) stattfand. „Auf der Basis dieser Ergebnisse haben wir die Hypothese entwickelt, dass giftige Mikroalgen, die in gemäßigten Breiten häufig Blüten bilden, auch in polaren Regionen in geringen Konzentrationen präsent sind und dort unter günstigen Umweltbedingungen massenhaft auftreten können. Diese Hypothese wollen wir nun gemeinsam überprüfen“, sagt Oliver Zielinski. Von dem Projekt erwarten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerdem neue Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von physikalischen und bio-optischen Bedingungen, die das Überwintern und die Entwicklung giftiger Algenarten begünstigen – und damit eine Antwort auf die Frage, ob es eine nördliche Grenze für gefährliche Algen gibt.