Expedition in die Kinderstube des Aals

Tipp

Expedition in die Kinderstube des Aals

Direkt von Bord – ein Expeditionsblogbeitrag des Forschungsschiffs Walther Herwig III

Expedition in die Kinderstube des Aals

Der erste Expeditionsblog-Beitrag der 404. Fahrt der Walther Herwig III

Die Richtung: Südwesten. Im Fokus: der Aal. Seit dem 3. März ist das Forschungsschiff „Walther Herwig III“ auf Expeditionsfahrt Richtung Sargassosee. Ein internationales Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Reinhold Hanel vom Thünen-Institut für Fischereiökologie führt dort Untersuchungen zu den frühen Lebensstadien des Europäischen Aals durch.

Aale laichen nicht in unseren Flüssen und Seen – sie nehmen dafür eine mehrere tausend Kilometer lange Reise quer über den Atlantik auf sich. Ziel: die Sargassosee, südlich von Bermuda gelegen, ein Meeresgebiet so groß wie Mitteleuropa. Irgendwo in diesem Areal pflanzen sie sich fort, und die Aal-Larven lassen sich vor allem mit dem Golfstrom zurück an die europäischen Küsten treiben. Ziel der Expedition in die Sargassosee ist es, das Jungfischaufkommen des Aals zu verfolgen – und zwar nicht erst nach Ankunft der Glasaale an den europäischen Küsten, sondern bereits kurz nach dem Schlüpfen der Weidenblattlarven aus den Eiern. Durch eine regelmäßige und standardisierte Erhebung des Larvenaufkommens im Laichgebiet soll entschlüsselt werden, inwieweit Umweltveränderungen im Ozean das Vorkommen und die Verteilung der Larven beeinflussen. Hintergrund dafür ist der dramatische Bestandsrückgang der Art und die Ungewissheit in Hinblick auf die möglichen Ursachen.

Vor Ort in der Sargassosee nehmen die Forscherinnen und Forscher mit einem speziellen Planktonnetz Proben, um möglichst junge Larvenstadien zu erfassen. Mit parallel erhobenen hydrografischen und biologischen Daten soll so ein genaueres Bild über die Verhältnisse entstehen, die für die Reproduktion und das Überleben der Larven notwendig sind. Zusätzlich sucht das Forschungstem nach den Orten des Laichgeschehens und den Grenzen des Laichareals. Die auf der Expedition gewonnenen Erkenntnisse sollen – eingebunden in eine mehrjährige Untersuchungsreihe – mittelfristig Informationen über den Erfolg der internationalen Bestrebungen für ein verbessertes Bestandsmanagement dieser akut gefährdeten Fischart geben.

 

 

Bitte konsumieren Sie möglichst nur nachhaltig gefischte Bestände von Fisch und Meeresfrüchten. Informieren Sie sich dazu beispielsweise in den einschlägigen Fischratgebern.